Reisebericht IYRF Ostsee-Törn Abel Tasman

dimanche 11 janvier 2026

1 Eckpunkte

Abel Tasman, 2-Mast Schoner, Baujahr 1913, ursprünglich Frachtschiff für Holz und andere Güter in der Ostsee, seit den 80/90-er Jahren Umbau und Einsatz als Charter-Segler. Das Schiff ist 40 m lang, 6.5 m breit, wiegt 200 t und verfügt über 450 m2 Segelfläche. Crew: Jeroen wirkt als Kapitän, seine Partnerin Marian als Manager und ihr Sohn Stijn als Steuermann, er coacht zudem die Gästecrew. Ständig in der Küche ist Roos für das kulinarische Wohl besorgt. Rotary-Team und Unterkunft: 18 Segelbegeisterte teilen sich für einmal in ein einziges Schiff, vier Douchen, drei WCs, einen Salon und diverse Aufenthaltsmöglichkeiten zwischen Klüvernetz und Achterdeck. Route: Eckenförde (D) – Schleimünde (D) – Ærøskøbing (DK) – Lohals (DK) – Svendborg (DK) – Sønderborg (DK) – Kappeln (D) – Eckenförde (D). Die Strecke misst rund 200 nautische Meilen, davon werden geschätzte 180 unter Segel zurückgelegt.

Hier geht es zu allen  Bildern.

2 Unser Törn

2.1 Start und erste Erfahrungen

Gespannt fahren wir per Taxi in die Hafenanlage von Eckenförde ein und ja, unübersehbar liegt «unser Schoner» am Quai, Abel Tasman mit 2 Masten, einer eindrücklichen Zahl von Tauen, Taljen, Blöcken, Mastleitern, Belegnägeln und was der Dinge noch mehr sind. Die Crew nimmt uns freundlich in Empfang und hilft bei der ersten sportlichen Übung: der Gepäcktransport über die Wendeltreppe zu unseren Kabinen. Anschliessend freuen wir uns über den Begrüssungstrunk und das erste Menu aus der Kombüse von Roos. Nach einer Einführung über die Sicherheit und das Leben an Bord gibt uns Jeroen eine erste Kostprobe von seiner Erfahrung. Er erläutert die Grobplanung wobei klar wird, dass er Segelrevier und Schiff in seine DNA integriert hat. Zu unserer Freude legen wir bereits am frühen Nachmittag ab und setzen auf offener See erstmals Segel. Stijn koordiniert den Einsatz professionell. Aufgetakelt wird von Bug nach Achtern, zuvorderst die die Fock, dann Schoner- und Grosssegel. Pro Segel gibt es zwei Fallen, das Kralle-Fall, mit welchem die vordere, tiefere Ecke, und das Pick -Fall, mit welchem die höhere Ecke gehisst werden. Etwas artistischen Einsatz am Klüverbaum verlangen die beiden Klüver-Segel. Schliesslich gilt es noch, die Schoten optimal einzustellen, und all dies drei Mal: beim Gross- beim Schoner- sowie beim Fock-Segel. Beim Niederholen findet al-les in umgekehrter Reihenfolge statt, wobei beim Festzurren der Segel artistische Fähigkeiten gefragt sind. Bei unserer Crew haben sowohl männliche als auch weibliche Mitglieder mit Schwindelfreiheit brilliert. Kraft und Teamwork ist beim Hissen gefragt, wiegen doch das Gross plus Gaffel etwa 250 kg. Wir beschränken uns auf Fock und Schonersegel und überlassen das Gross der Ankerwinde. Mit sichtlich zunehmender Fertigkeit erfolgt schliesslich das Aufräumen des schätzungsweise über 100 m Taumaterials.

2.2 Segeln

Mit 200 t durch die See zu segeln hat seine eigene Faszination. Bei den geradezu idealen Wetterverhältnissen überrascht die Leichtigkeit, mit der man Abel Tasman auf Kurs hält. Die grosse Segelfläche stabilisiert das Schiff und dämpft die Wirkung des Wellengangs massgeblich. Jeroen ist ein ausgezeichneter Coach, der es versteht, unaufgeregt und freundschaftlich Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Wenden und Halsen sind eine besondere Herausforderung und verlangen Teamwork, welches dank der klaren Regie von Stijn immer besser gelingt. Bei beiden Manövern werden die Segel vom Bug nach Achtern umgestellt. Auch diesbezüglich sorgt Stijn für die nötige Koordination. Nicht eben zu den Stärken des Schoners zählt das Aufkreuzen. Auf der Fahrt nach Ærøskøbing zeigt sich, dass wir so um die 70 ° schaffen, was bedeutet, dass für 4 SM Höhe etwa 16 SM Weg zurückgelegt werden müssen. Um rechtzeitig in den Hafen zu gelangen ist deshalb eine Umstellung auf Antrieb mit dem 235 kW Hilfsmotor mehr als gerechtfertigt. Dieser kommt auch bei engen Fahrrinnen wie in der Schlei oder in Teilen der reizvollen Wasserstrasse Svenborgsund zum Einsatz. 

2.3 Leben an Bord

Wir belegen Kabinen, welche für zwei bis drei Personen ausgelegt sind: ein Doppelbett unten, quer dazu ein Einzelbett oben sowie ein Lavabo. Für die Hygiene stehen Gemeinschaftsduschen und WCs zur Verfügung. Bei den Duschen ist bemerkenswert, dass sie sogar brauchbare Wassermengen liefern. Auf Deck befindet sich der Salon mit Bierzapfhahn und stets gefülltem Kaffeekrug. Tische und Bänke bieten allen Platz. Bei den wenigen Stunden Regenwetter ermöglichen sie auch einen gemütlichen Aufenthalt im Trockenen. Im Freien bieten diverse Bänke, Liegen und ein bei Bedarf mit einem Segel geschützter Sitzplatz Raum. Das Steuerhaus steht tagsüber allen offen, abends dient es der Crew als Rückzugsort. Roos wirkt unermüdlich in der Küche und versorgt die Gäste mit Frühstück, Mittagessen, Vieruhrtee mit Beilagen und Nachtessen. Trotz Spülmaschine und zweckmässiger Küchenausrüstung gibt es für einen Ein-Frau Betrieb viel zu tun, weshalb unsere Mithilfe stets willkommen ist. Das Leben an Bord erinnert an den Reiz einer Jugendherberge.

2.4 Reiseroute

Eckernförde-Schleimünde (6.9.25, 16.9 NM)

Der Törn beginnt in der weitläufigen Eckernförder Bucht und führt entlang der Küste ostwärts Richtung Schleimündung. Die Einfahrt erfordert Aufmerksamkeit bezüglich Verkehr und Strömung. Der Leuchtturm markiert ein klassisches Übergangstor von der offenen Ostsee zur Schlei. Der kleine Hafen erweist sich als Wochenend-Treffpunkt vieler Hobbysegler.

Schleimünde → Ærøskøbing (7.9.25, 40.5 NM)

Nach Verlassen der Schlei folgt eine offene Ostseequerung Richtung Dänemark. Da wir gut vorankommen entschliessen wir uns, am Schluss mit Motorunterstützung nach Ærøskøbing zu fahren. Dort empfängt uns ein geschützter Hafen und ein historischer Bilderbuch-Stadtkern. Kopfsteinpflaster, niedrige vielfarbige Kaufmannshäuser und enge Gassen vermitteln ein geschlossenes Stadtbild. Am Abend schliesst eine Mondfinsternis mit Blutmond den Tag ab.

Ærøskøbing → Lohals (8.9.25, 29.4 NM)

Nachdem wir die Fahrrinne hinter uns haben, können wir kurz Segel setzen, ehe wir von neuem auf die Rinne durch den Svendborg-Sund einschwenken. Die Route wird flankiert durch schöne Uferpartien, eine Attraktion ist die Unterquerung der 1.2 km langen Svendborg Sund-Brücke. Mit einer Durchfahrthöhe von 33 Metern stellt sie für unsere Masthöhe von 23 Metern kein Problem dar. Wieder in offenen Gewässern erreichen wir den Hafen von Lohals. Dort laden Wege zu Spaziergängen ein, ausserdem stehen Gratis-Velos zur Verfügung. Im etwas abgelegenen Holländerhaus kann man sich über die Geschichte und Natur dieser abgelegenen Gegend informieren.

Lohals – Svendborg (9.9.25, 15.0 NM)

Wir starten bei etwas unfreundlichem Wetter und wenig Wind. Die Route verläuft auf der gleichen Strecke in Gegenrichtung zu der des Vortags. Bald wird der Himmel wieder blau und wir hissen die Toppsegel. Abel Tasman präsentiert sich dadurch von der schönsten Seite, kurze Rundfahrten mit dem Beiboot erlauben uns, diese auf Erinnerungsbildern festzuhalten: Top Werbung für Jeroen und sein Unternehmen! Abends treffen wir in Svendborg ein, wo wir nach einem kurzen Spaziergang die örtliche Gastronomie geniessen.

Svendborg - Sønderborg (10.9.25, 37.2 NM)

Nach kurzem Morgenregen bessert sich das Wetter, so dass wir nach dem Austritt aus dem Svendborg-Sund eine weiteren schönen Segelschlag nach Sønderborg geniessen können. Wir legen unmittelbar beim Schloss an und bleiben dort nicht lange allein. Die Dreimasterbark (ehemaliger Walfänger) Artemis und die Drei-mastbarkentine (ehemaliges Fischereischiff) Antigua leisten uns Gesellschaft. Abends singt dort ein Shanty-Chor, danach lassen wir von Jeroens Ausführungen über die Renovation der Abel Tasman beeindrucken. Er hat mit seinem Team das Schiff ziemlich vollständig ausgeräumt, im Rumpf Schwachstellen behoben und anschliessend so gut wie alles neu eingebaut. Dabei waren gleichermassen sein handwerkliches Geschick, technischen Fachkenntnisse und administrative Fähig-keiten für die erfolgreiche Bewältigung einer Flut von Vorschriften und amtlicher Kontrollen gefragt.

Sønderborg – Kappeln (11.9.25, 22.7 NM)

Wir haben am Morgen Zeit, Sønderborg kennen zu lernen. Das Schlossmuseum beim Anlegeplatz stammt aus dem 12. Jhdt. und bietet einen Überblick über 800 Jahre Geschichte Südjütlands, vom Mittelalter über herzogliche Residenzen bis zu den Ereignissen im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Nach Aufbruch zur nächsten Etappe überqueren wir mit zeitweilig steifem Wind unter Segeln die dänisch-deutsche Grenze und erreichen die bereits bekannte Einfahrt in die Schlei. Per Motor geht es dann durch die grüne Flusslandschaft durch eine Slalom-Rinne bis nach Kappeln. Dank guter Zeitplanung können wir dort nach kurzer Wartezeit die Klappbrücke passieren und anlegen. Am Abend erleben wir deutsche Gastronomie.

Kappeln – Eckenförde (12.9.25, 27.9 NM)

Unser letzter Segeltag bewegt sich auf bekannter Route, wir kreuzen noch einmal vor der Bucht von Eckernförde. Wegen wechselnden Windrichtungen und des ge-ringen Gewinns an Höhe legen wir die letzten Meilen schliesslich motorisiert zu-rück.

2.5 Abschied

Zurück in Eckernförde gilt es Abschied zu nehmen. In der Woche hat sich zwi-schen der Crew und uns ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Wir attestie-ren ihr menschliche und nautische Kompetenz, sie anerkennt ihrerseits unser Teamwork und unsere Fachkompetenz. Ein Dank gilt unserer Leitungscrew, ins-besondere Commodore Bea.

3 Epilog

Unser nächstes Ziel ist Hamburg, wo wir im Hotel Hafen gemeinsam mit deutschen Freunden den Abschlussabend feiern. Vom Vorgarten aus können wir zu-schauen, wie das Kreuzfahrtschiff Vasco da Gama mit einem Feuerwerk verab-schiedet wird. An Bord sind 1000 Passagiere und 500 Besatzungsmitglieder. Es gibt fünf Restaurants, sieben Bars, Pools und ein umfangreiches Bord-Programm. Die 15-tägige Reise über 2500 – 3500 Seemeilen führt von Hamburg zum Nord-kap und endet in Kiel. Erstaunlich, auf was man alles gewinnbringend verzichten kann! 

 Aarau, 3. Januar 2026, KLM